Warum der Anschaffungspreis die falsche Kennzahl ist

Wer eine Betontankstelle kauft, fragt zuerst nach dem Preis. Das ist verständlich, aber es ist die falsche Frage. Eine BTS ist kein Verbrauchsgegenstand, sondern ein Produktionsmittel mit einer Lebensdauer von 15 bis 25 Jahren. Was zählt, ist nicht der Kaufpreis, sondern die Gesamtkosten über die Nutzungsdauer — die Total Cost of Ownership (TCO). Dazu gehören Anschaffung, Aufstellung, Betrieb, Wartung, Verschleiß, Energie und die Kosten, die anfallen, wenn die Anlage stillsteht.

Die Kostenblöcke im Überblick

1. Anschaffung

Der Kaufpreis einer mobilen BTS liegt je nach Ausstattung zwischen 80.000 und 180.000 Euro. Stationäre Anlagen beginnen bei etwa 150.000 Euro und können bei voller Ausstattung 400.000 Euro und mehr kosten. In diesem Preis enthalten sind die Mischeinheit, Dosierung, Steuerung und die Grundausstattung an Fördertechnik.

Was häufig nicht enthalten ist:

  • Silo: Ein Zementsilo kostet zwischen 8.000 und 25.000 Euro, je nach Größe (20 t bis 80 t) und Ausführung. Viele Betreiber mieten Silos vom Zementlieferanten — typisch 150 bis 400 Euro pro Monat.
  • Zuschlagboxen: Bei mobilen Anlagen oft integriert. Bei stationären Anlagen als separate Stahlboxen oder Betonbunker — 5.000 bis 30.000 Euro.
  • Wasserversorgung: Anschluss, Pumpe, Tank, Druckerhöhung — 2.000 bis 8.000 Euro.
  • Stromanschluss: Je nach Leistungsbedarf 3.000 bis 15.000 Euro für den Netzanschluss.

2. Aufstellung und Infrastruktur

Posten Mobile BTS Stationäre BTS
Fundament / Stellfläche 2.000–8.000 € 15.000–50.000 €
Anlieferung + Aufstellung 2.000–5.000 € 8.000–20.000 €
Elektro-Installation 1.500–4.000 € 5.000–15.000 €
Wasser/Abwasser 1.000–3.000 € 3.000–10.000 €
Genehmigungskosten 0–2.000 € 2.000–8.000 €
Summe Aufstellung 6.500–22.000 € 33.000–103.000 €

3. Laufende Betriebskosten

Die laufenden Kosten hängen direkt von der produzierten Menge ab. Die größten Posten sind Rohstoffe, Energie und Personal.

Rohstoffe pro Kubikmeter Beton (C25/30, Beispielwerte):

Rohstoff Menge pro m³ Preis pro Einheit Kosten pro m³
Zement CEM II 32,5 300 kg 90–120 €/t 27–36 €
Sand 0/2 700 kg 8–15 €/t 5,60–10,50 €
Kies 2/16 1.100 kg 7–14 €/t 7,70–15,40 €
Wasser 165 l 2–4 €/m³ 0,33–0,66 €
Zusatzmittel 2–4 l 1–3 €/l 2–12 €
Summe Rohstoffe 42,63–74,56 €

Zum Vergleich: Fertigbeton ab Werk kostet je nach Region und Klasse 90 bis 150 Euro pro Kubikmeter, zuzüglich Transportkosten (Fahrmischer: 3–5 €/km). Die Rohstoff-Ersparnis bei Eigenproduktion liegt also bei 30 bis 60 Euro pro Kubikmeter — bei relevanten Mengen ein erheblicher Hebel.

Energie:

Eine BTS verbraucht zwischen 3 und 8 kWh pro Kubikmeter Beton. Bei einem Strompreis von 0,25 bis 0,35 €/kWh ergibt das 0,75 bis 2,80 Euro pro Kubikmeter. Im Vergleich zu den Rohstoffkosten ist die Energie ein Nebenposten.

Personal:

Eine moderne BTS lässt sich im Selbstbedienungsbetrieb ohne festes Personal betreiben — der Kunde befüllt selbst. Im betreuten Betrieb rechnet man mit 0,5 bis 1 Arbeitsstunde pro Betriebsstunde. Bei einem Stundensatz von 35 Euro und 10 m³/h Durchsatz sind das 1,75 bis 3,50 Euro pro Kubikmeter.

4. Wartung und Verschleiß

Eine BTS hat bewegliche Teile: Mischerwellen, Mischerarme, Auskleidungen, Förderbänder, Waagen, Ventile und Dichtungen. Diese verschleißen proportional zur produzierten Menge. Typische Wartungskosten:

Bauteil Intervall Kosten
Mischerverschleißteile (Arme, Auskleidung) Alle 5.000–15.000 m³ 3.000–8.000 €
Förderband Alle 3–5 Jahre 800–2.500 €
Dosierventile Alle 2–4 Jahre 200–600 € pro Stück
Wägezellen (Kalibrierung) Jährlich 300–800 €
Steuerung (Software-Update, Sensoren) Alle 2–3 Jahre 500–2.000 €
AwSV-Prüfung Alle 5 Jahre 500–1.500 €
Jährliche Wartungskosten (Richtwert) 3.000–8.000 €

Faustregel: Die jährlichen Wartungskosten liegen bei 2 bis 4 Prozent des Anschaffungspreises.

5. Stillstandskosten

Jede Stunde, in der die BTS steht, obwohl sie produzieren könnte, kostet Geld — direkt durch entgangene Deckungsbeiträge, indirekt durch Kunden, die zum Wettbewerber fahren. Ein ungeplanter Stillstand von zwei Tagen bei einem Durchsatz von 20 m³/Tag und einem Deckungsbeitrag von 30 €/m³ kostet 1.200 Euro. Regelmäßige Wartung durch einen qualifizierten Servicepartner ist die wirksamste Versicherung gegen ungeplante Ausfälle.

Rechenbeispiel: Mobile BTS, 2.000 m³/Jahr

Posten Jährliche Kosten
Abschreibung (150.000 € über 15 Jahre) 10.000 €
Aufstellungskosten (15.000 € über 15 Jahre) 1.000 €
Silo-Miete 3.000 €
Wartung 4.000 €
Energie (5 kWh × 0,30 € × 2.000 m³) 3.000 €
Personal (0,5 h × 35 € × 200 Betriebstage) 3.500 €
Versicherung 1.500 €
Summe Fixkosten/Jahr 26.000 €
Fixkosten pro m³ 13,00 €

Addiert man die Rohstoffkosten von ca. 55 €/m³, landet man bei 68 €/m³ Gesamtkosten. Verglichen mit Fertigbeton zu 120 €/m³ (inkl. Transport) ergibt sich eine Ersparnis von 52 Euro pro Kubikmeter — bei 2.000 m³ im Jahr sind das 104.000 Euro jährlich.

Ab wann rechnet sich eine BTS?

Der Break-Even hängt vom Vergleichspreis für Fertigbeton und von der Auslastung ab. Bei typischen Marktverhältnissen:

  • Mobile BTS: Rechnet sich ab ca. 500 m³/Jahr
  • Stationäre BTS: Rechnet sich ab ca. 1.500–2.000 m³/Jahr

Unter 500 m³/Jahr ist die Eigenproduktion in den meisten Fällen teurer als die Lieferung. Die Fixkosten pro Kubikmeter sind dann zu hoch.

Was in der Kalkulation oft fehlt

Drei Posten werden regelmäßig vergessen:

  1. Entsorgung von Restwasser und Betonresten: Gesetzlich vorgeschrieben, Kosten je nach Entsorgungsweg 500 bis 3.000 Euro pro Jahr.
  2. Schulung: Bediener müssen eingewiesen werden. Bei Personalwechsel fällt das wiederholt an.
  3. Kapitalbindung: 150.000 Euro, die in einer BTS stecken, können nicht anderweitig investiert werden. Die Opportunitätskosten sollten in die Kalkulation einfließen — vor allem bei Finanzierung über Kredit.

Zusammengefasst

Die Anschaffung einer Betontankstelle ist eine Investition, die sich bei vernünftiger Auslastung schnell rechnet. Der entscheidende Faktor ist nicht der Kaufpreis, sondern die Gesamtkosten pro Kubikmeter über die Nutzungsdauer. Wer 2.000 Kubikmeter pro Jahr oder mehr produziert, spart gegenüber Fertigbeton-Lieferung einen sechsstelligen Betrag über die Lebensdauer der Anlage. Wer unter 500 Kubikmeter bleibt, sollte bei der Lieferung bleiben oder eine gebrauchte mobile Anlage in Betracht ziehen.

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