Zwei Konzepte, ein Ziel
Betontankstellen gibt es in zwei Grundvarianten: mobil auf einem Anhängerfahrwerk oder stationär auf einem festen Fundament. Beide mischen Beton. Beide dosieren Zement, Zuschlag, Wasser und Zusatzmittel automatisch. Der Unterschied liegt nicht in der Qualität des Betons, sondern in der Art, wie die Anlage in den Betrieb integriert wird. Wer die falsche Variante wählt, zahlt entweder zu viel für Flexibilität, die er nicht braucht, oder verliert Geld, weil die Anlage am falschen Ort steht.
Mobile BTS: Das Fahrzeug-Konzept
Eine mobile Betontankstelle steht auf einem Anhängerfahrwerk und kann mit einem Lkw oder einer Zugmaschine zum nächsten Standort gezogen werden. Die Fliegl BTS 500 ist das bekannteste Beispiel: Sie lässt sich innerhalb weniger Stunden versetzen und produziert am neuen Standort sofort wieder Beton — vorausgesetzt, die Zuschlagstoffe und der Silozement sind vor Ort.
Typische Einsatzszenarien:
- Baustoffhandel, der an verschiedenen Standorten BTS-Beton anbieten will
- Bauunternehmen mit wechselnden Großbaustellen
- Recyclinghöfe, die saisonale Spitzenlasten abfangen
- Testbetrieb vor einer dauerhaften Installation
Vorteile:
- Kein Fundament nötig — eine ebene, tragfähige Fläche reicht
- Genehmigungsvorteile: In vielen Fällen keine Baugenehmigung bei kurzer Standzeit
- Wiederverkaufswert bleibt hoch, weil die Anlage mobil und damit universell einsetzbar ist
- Schnelle Inbetriebnahme an neuen Standorten
Grenzen:
- Geringere Silokapazität als stationäre Anlagen (typisch 20–30 t Zement vs. 60–120 t stationär)
- Nachfüllung der Zuschlagstoffe aufwendiger, weil die Boxen kleiner sind
- Mischleistung oft auf 15–25 m³/h begrenzt
- Verschleiß am Fahrwerk und an den Reifen bei häufigem Transport
Stationäre BTS: Das Infrastruktur-Konzept
Eine stationäre Betontankstelle wird auf ein Betonfundament gesetzt und fest mit dem Standort verbunden. Die Silos sind größer, die Zuschlagboxen fassen mehr Material, und die gesamte Peripherie — Wasserversorgung, Strom, Abwasser, Zufahrt — wird dauerhaft installiert.
Typische Einsatzszenarien:
- Betonwerke und Baustoffhändler mit festem Kundenkreis im Umkreis
- Kommunale Bauhöfe mit konstantem Betonbedarf
- Industriestandorte mit Eigenbedarf (z. B. Betonfertigteilwerke)
- Standorte mit hohem Durchsatz (> 30 m³/h)
Vorteile:
- Höhere Silokapazität, seltener nachfüllen
- Größere Zuschlagboxen, breiteres Rezeptspektrum
- Mischleistung bis 60 m³/h und mehr
- Geringerer Verschleiß, weil kein Transport
- Bessere Automatisierungsmöglichkeiten (z. B. automatische Silofüllstandsmessung, Kamera-Überwachung)
Grenzen:
- Fundament nötig (Kosten: 5.000–20.000 € je nach Größe und Bodenverhältnissen)
- Baugenehmigung in der Regel erforderlich
- Standortwechsel praktisch ausgeschlossen
- Höhere Anfangsinvestition
Direkt-Vergleich
| Kriterium | Mobile BTS | Stationäre BTS |
|---|---|---|
| Investition (Anlage) | 80.000–180.000 € | 150.000–400.000 € |
| Fundament / Infrastruktur | 2.000–8.000 € | 15.000–50.000 € |
| Mischleistung | 15–25 m³/h | 25–60+ m³/h |
| Silokapazität | 20–35 t | 60–120 t |
| Genehmigung | Oft genehmigungsfrei | Baugenehmigung + AwSV |
| Standortwechsel | Innerhalb von Stunden | Nicht wirtschaftlich |
| Wiederverkaufswert | Hoch (universell einsetzbar) | Gering (standortgebunden) |
| Break-Even bei Auslastung | Ab ca. 500 m³/Jahr | Ab ca. 2.000 m³/Jahr |
Die Zahlen sind Richtwerte. Die tatsächlichen Kosten hängen vom konkreten Anlagentyp, der Ausstattung und den örtlichen Gegebenheiten ab.
Mischformen: Das Beste aus beiden Welten?
In der Praxis gibt es Zwischenlösungen. Eine mobile BTS kann auf einem Standort dauerhaft abgestellt werden, ohne das Fahrwerk abzubauen. Sie behält ihre Mobilität, wird aber wie eine stationäre Anlage betrieben. Umgekehrt gibt es modulare stationäre Anlagen, die in Containerform angeliefert und bei Bedarf wieder demontiert werden können.
Für Betreiber, die sich nicht sicher sind, ist die mobile Variante oft der richtige Einstieg. Die Logik: Wenn die Auslastung stimmt und der Standort sich bewährt, kann später auf eine stationäre Anlage aufgerüstet werden. Die mobile BTS dient dann als Backup, für einen zweiten Standort oder wird weiterverkauft.
Entscheidungs-Kriterien
Fünf Fragen helfen bei der Entscheidung:
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Wie hoch ist der erwartete Jahresverbrauch? Unter 1.500 m³ pro Jahr ist eine mobile BTS fast immer wirtschaftlicher. Über 3.000 m³ rechnet sich die stationäre Variante durch geringere Nachfüllkosten und höheren Durchsatz.
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Steht der Standort fest? Wer heute noch nicht weiß, ob er in drei Jahren am selben Ort produziert, sollte mobil bleiben.
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Wie breit ist das Rezeptspektrum? Wer nur C20/25 und C25/30 mischt, kommt mit einer mobilen BTS und zwei Zuschlagboxen aus. Wer zehn verschiedene Rezepturen mit verschiedenen Zuschlägen und Zusatzmitteln fahren will, braucht die größeren Boxen und Dosierstränge einer stationären Anlage.
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Wie schnell muss es gehen? Eine mobile BTS steht innerhalb weniger Tage. Eine stationäre Anlage braucht Fundament, Genehmigung und Anschlüsse — realistisch drei bis sechs Monate bis zur Inbetriebnahme.
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Wie wichtig ist der Wiederverkaufswert? Mobile Anlagen lassen sich deutlich einfacher und zu besseren Konditionen weiterverkaufen als stationäre Installationen.
Zusammengefasst
Mobile und stationäre Betontankstellen unterscheiden sich nicht in der Betonqualität, sondern in Kapazität, Flexibilität und Investitionshöhe. Die mobile BTS ist das richtige Werkzeug für flexible Standorte, moderate Mengen und schnellen Einstieg. Die stationäre BTS rechnet sich bei hohem Durchsatz, festem Standort und breitem Rezeptspektrum. Wer unsicher ist, startet mobil — der Weg zur stationären Anlage bleibt offen.
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